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Brasilien - So nicht!
 
Als im Jahre 2005 der Fluss Solimoes und der Rio Negro, beides Zuflüsse des Amazonas, die schlimmste Trockenheitsperiode seit über vierzig Jahre über sich ergehen lassen mussten, brachten Klimaforscher den Mangel an Regen erstmals mit der globalen Klimaerwärmung und der Abholzung des Regenwaldes in Verbindung. Nach Erkenntnissen der Klimaforscher stammen etwa die Hälfte des Wasserdampfes, die im Amazonasgebiet als Regen niedergehen, aus dem Atlantik, die andere Hälfte geht auf die Verdunstung der Vegetation zurück. Die Abholzung des Urwaldes, vor allem im Bundesstaat Mato Grosso und in Rondonia hatte im Jahr 2005 mit 26.100 Quadratkilometern ein Rekordniveau erreicht. Auf den gerodeten Flächen entstehen zumeist Sojafelder, Viehweiden und Zuckerrohrplantagen.

Die Vernichtung der «Grünen Lunge» hätte noch wesentlich größere Ausmaße, gäbe es nicht die Bemühungen Einzelner und die Aktivitäten verschiedener Umweltschutzgruppierungen.

Bereits 1982 schaffte es der Gründer einer der ältesten brasilianischen Naturschutzorganisationen, Senior Francisco Anselmo Gomes de Barros, ein Gesetz durchzusetzen, welches verhindert, dass in ökologisch sensiblen Gebieten Ethanol-Fabriken gebaut werden dürfen. Er erkannte schon damals die Umweltzerstörung, die mit der meist illegalen Landbesetzung und den Ethanol-Fabriken einhergingen und kämpfte erfolgreich für ein Umweltprogramm zum Schutz Amazoniens und des Pantanals. Er verhinderte damit Zuckerrohr-Monokulturen auf großen Flächen brasilianischen Regenwaldes und gewährleistete den Schutz des zum Teil als Unesco-Biosphärenreservat ausgewiesenen Pantanals. Das Pantanal, welches als größtes Feuchtgebiet der Erde gilt, beheimatet eine außerordentlich große Tier- und Pflanzenwelt, es gilt als ökologisch sehr sensibel.

In einem seiner Abschiedsbriefe 2005 schrieb er: „In Brasilien sehen wir mit an, wie das Schiff sinkt, und niemand sagt etwas!“ Als der Gouverneur des brasilianischen Bundesstaates Mato Grosso verkündet, dass das Gesetz zum Schutz des Pantanals fallen wird und damit der Weg frei ist für den Bau von 23 Bioalkoholfabriken im Wassereinzugsgebiet des Feuchtgebietes, muss die Verzweiflung von Gomes des Barros so groß gewesen sein, dass er sich auf einer kleinen, kaum beobachteten Umweltdemonstration aus Protest mit Benzin übergoss und verbrannte. Gomes sah dies als letzten Ausweg, die Öffentlichkeit aufzurütteln. Auf seiner letzten Demo prangerte er, die genetisch veränderten Soja-Sorten, die fortschreitende Abholzung im Amazonasbecken und insbesondere die Pläne, Zuckerrohr im Pantanalgebiet anzubauen an. Seinen Suizid begründete Gomes mit der Aussichtslosigkeit des Kampfes gegen die Gefährdung der Umwelt!

Der globale Markt, auch die EU und Deutschland, sind an der Zerstörung Brasiliens beteiligt. Unlogisches erscheint auf einmal logisch, wenn nur das Kapital betrachtet wird und nicht auch die Hintergründe des Prozesses! Kein logisch denkender Mensch würde auf die Idee kommen, einen Rohstoff aus Brasilien zu importieren, dessen Produkt auch auf heimischer Ackerfläche angebaut werden kann. Welche Unvernunft kristallisiert sich heraus, wenn brasilianisches „Bio“-Ethanol von Urwald-Rodungsflächen an deutschen Tankstellen verkauft wird, nur weil dieser „Bio“-Sprit durch unökologische und unsoziale Anbau- und Arbeitsbedingungen günstiger ist, als lokal erzeugter Alkohol. Noch unlogischer erscheint das Ganze, wenn man bedenkt, dass Flächen in Brasilien für den Zuckerrohranbau gerodet werden und wir in Deutschland eine Prämie dafür bezahlen, dass Ackerbauflächen stillgelegt bleiben.

Die logische Forderung ist, die Einfuhr von brasilianischem Alkohol solange zu unterbinden, bis die Produktionskapazitäten in der EU erschöpft sind und gewährleistet ist, dass die Anbaubedingungen in Brasilien ökologisch und sozial vertretbar sind!

Der Verein Mobil ohne Fossil e.V. möchte den Rohstoffwandel - aber nicht zu jedem Preis! Die Alternativen zu den fossilen Treibstoffen dürfen nicht einfach mit dem Deckmäntelchen der Nachwachsenden Rohstoffe legitimiert werden, die ganzeinheitliche Bilanz der Umweltverträglichkeit muss betrachtet werden. Brasilianischer Alkohol darf damit keine Alternative sein, solange die Umweltzerstörung in Brasilien nicht gestoppt ist!
 
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